Es geht mir wie Dir


In dieser TV-Show vom 01.11.1975 machte Westernhagen für seine LP "das erste mal"
Nachfolgend eine Abschrift der Dialoge, die im "Bilderbuch einer Karriere" erschienen ist


Annette über ihren Ex-Freund


Reinhard Münchenhagen:
Annette, Marius sagt, du seist seine große Liebe gewesen, zumindest die erste. Wie würdest du das selbst sehen?

Annette Lucas:
Ja, es war wohl für beide Seiten die erste richtig lange intensive Freundschaft.

Reinhard Münchenhagen:
Wie alt ward ihr beide denn da?

Annette Lucas:
Ich glaube, ich war siebzehn, und Marius war ungefähr zwanzig.

Reinhard Münchenhagen:
Marius hat doch damals schon ein ganz gesundes Selbstvertrauen gehabt und ...

Annette Lucas:
Nein, das glaub ich nicht.

Reinhard Münchenhagen:
Hatte er nicht damals schon geglaubt, er würde was?

Annette Lucas:
Das glaubte er immer, ja.

Reinhard Münchenhagen:
Du auch?

Annette Lucas:
Nein. Das heißt, ich habe wohl gewußt, daß der Marius ein unheimliches Talent hat, das war ja nicht zu übersehen. Also wie schnell er was kapierte und was brachte und was machte, allein diese Reaktionsfähigkeit war außergewöhnlich. Aber ich habe den Marius immer für zu labil gehalten, was Richtiges zu machen.

Reinhard Münchenhagen:
Hast du eigentlich den Eindruck gehabt, daß Marius faul war?

Annette Lucas:
Ja, der war faul.

Reinhard Münchenhagen:
Auch was die Musik betraf? Hat der wirklich geübt, oder hat er sich auf sein Genie verlassen?

Annette Lucas:
Er ging üben, wenn die anderen auch üben mußten. Aber so für sich alleine habe ich ihn nie stundenlang mit der Klampfe sitzen sehen.

Reinhard Münchenhagen:
Marius singt ja, daß er immer Vorstellungen von der wirklich großen Liebe gehabt und auch mit Heiratsgedanken gespielt hat. Hat er daran nur gedacht, oder hat er mit dir auch mal darüber gesprochen?

Annette Lucas:
Er hat mal drüber gesprochen. Ich hab da mitgemacht, glaub ich, doch ich bin nicht so weit gegangen zu sagen, daß wir heiraten sollten. Aber immerhin, ich wollte gern mit ihm zusammenleben. Ich hatte ihn ja auch sehr gern.

Reinhard Münchenhagen:
Was ist mit dein Stichwort Schottland?
(Anmerkung: hier ist der Refrain des Songs "Wir waren noch Kinder" gemeint!)

Annette Lucas:
Ach, das hat nie ernsthaft zur Debatte gestanden.

Reinhard Münchenhagen:
Immerhin hat's zur Rede gestanden.

Annette Lucas:
Ja sicher, aber mehr so als Ulk.

Reinhard Münchenhagen:
Erzähl doch mal in zwei Sätzen, was hatte es mit Schottland auf sich? Wie ist das entstanden?

Annette Lucas:
Ja, mh, das hatte was mit der Ehe zu tun und mit Gretna Green und damit, daß wir in die Einsamkeit wollten und ab - wie die meisten Leute, wenn sie ganz verliebt sind. Und da bot sich Schottland an: so weit oben und keine Eltern ...
 


Katrin über ihren Freund


Reinhard Münchenhagen:
Wie lange kennt ihr euch jetzt schon?

Katrin Schaake:
Etwas über ein Jahr, Januar '74 haben wir uns getroffen, Ende Januar.

Reinhard Münchenhagen:
Ach, erzähl doch mal, wie denn überhaupt?

Katrin Schaake:
Bei der Premiere von «Supermarkt». Ich hatte zuerst überhaupt keine Lust hinzugehen, aber ein Freund rief an und sagte, komm doch mit, ich hab noch ne Karte über. Dort hat mir die Musik unheimlich gut gefallen. Dann fiel er mir auf, als er nach der Vorstellung zur Verbeugung auf die Bühne kam und erstmal in ne Scheinwerferscheibe trat. Da dachte ich schon, Mensch, wer ist'n das? Aber das hab ich wieder verdrängt bis wir auf die Party gegangen sind, zu der wir nicht eingeladen waren. Und da hat mich irgendwas magisch angezogen. Ich bin stehngeblieben und hab gesagt: «Du machst die Musik?» «Nee», sagte er, «ich singe.» Ich: «Wo wohnst'n du?» Er: «Ja, in Düsseldorf, und ich such ne Wohnung hier.» Und da meine Mutter manchmal so Wohnungen an der Hand hatte, hab ich gesagt: «Gut, ich kann dir vielleicht eine besorgen.» Ich hab ihm meine Adresse und Telefonnummer aufgeschrieben, und nach 'ner Weile bin ich noch mal dort hingegangen, wo er saß, zufällig. Und da hat er hochgeschaut und gesagt-. «Ich find dich schön.» Und ich hab gesagt: «Ich find dich auch schön», und dann bin ich gegangen.

Reinhard Münchenhagen:
Gibt es Lieder, die durch euer Zusammenleben zustandegekommen sind, erst dadurch entwickelt wurden und klar geworden sind?

Katrin Schaake:
Schwer zu sagen. Ich meine, in seinem Kopf waren sie schon vorher fertig. Es sind doch alles Geschichten aus seinem Leben, und das ist ja auch die Schau, nicht? Vielleicht ist es ganz blöd, das zu sagen, aber fertig schreiben konnte er sie wohl erst in unserer Verbindung.

Reinhard Münchenhagen:
Das ist das, was ich meinte.

Katrin Schaake:
Ja, aber es klingt so blöd, wenn du sagst, er kann erst schreiben, weil er einen kennenlernt.

Reinhard Münchenhagen:
Im Grunde meine ich, daß sie eigentlich erst reif wurden in der Situation zusammen.

Katrin Schaake:
Ja, das glaub ich. Weißt du, es war für ihn wahnsinnig wichtig, von Zuhause wegzukommen, eine eigene Wohnung zu haben, die Tür aufschließen zu können und zu sagen: Mensch, das ist mein Zuhause, ich muß auf niemanden Rücksicht nehmen, ich kann Leute einladen und mitten in der Nacht Gitarre spielen und mal Musik laut machen, und ich hab ne Frau und ne Katze, und es ist alles meins, und keiner kann hier rein und mir irgendwas sagen. Dieser Prozeß, die Loslösung von seiner Mutter, das alles war unheimlich wichtig.
 


Die Mutter über ihren Sohn


Reinhard Münchenhagen:
Eigentlich wollte ich nur einen kleinen Moment mit Ihnen reden, und nun komm ich her, und es steht alles fix und fertig auf'm Tisch, Kaffee gibt's, schönen Dank. Erinnert mich ein bißchen, im übertragenen Sinne, an die Situation, in der Marius wohl häufig gewesen ist. Ein bißchen oder erheblich verwöhnt zu werden. Stimmt das?

Liselotte Müller-Westernhagen:
Ja nun, ich hab ihn gerne verwöhnt, er war ja ein sehr liebes und artiges Kind, warum sollte ich ihn nicht verwöhnen? Aber nicht nur ihn, meine Tochter Christiane, die ist drei Jahre älter als der Marius, hab ich auch verwöhnt. Man hat mir zwar immer vorgeworfen, ich hätte den Marius vorgezogen, aber ich glaube, das ist nicht der Fall gewesen.

Reinhard Münchenhagen:
Hat Marius, wie er das beschreibt, dies Verwöhnen ausgenutzt?

Liselotte Müller-Westernhagen:
Nein, das eigentlich nicht. Der Marius hat sich von mir freigemacht, ganz alleine. Ich muß sagen, es war für mich recht schwer, als er von mir ging, aber er hat es so geschickt gemacht, daß ich es doch ganz gut verwunden habe.
 


Nochmal Annette


Annette Lucas:
Ja, Marius' Mutter. Marius war der einzige junge, und es war offensichtlich, daß der Marius begabt war und dem Vater nachschlug, und so war die Mutter auch sehr auf ihn fixiert.

Reinhard Münchenhagen:
Heißt das im Klartext, daß sie auch dir in diesem Verhältnis Schwierigkeiten gemacht hat?

Annette Lucas:
Nee, sie machte mir nicht direkt Schwierigkeiten. Sie gab mir immer das Gefühl, daß ich gern gesehen war, und war immer sehr nett zu mir. Aber sie spielte immerhin die dominante Rolle. Sie wollte, daß ich spürte, daß Marius an erster Stelle ihr Sohn ist, daß er auch an erster Stelle seinen beruflichen Weg zu gehen hätte und danach erst die Freundin käme - und daß die Aufgabe der Freundin auch in erster Linie sei, ebenso wie die der Mutter, den Marius zu unterstützen.
 


Und die Mutter


Liselotte Müller-Westernhagen:
Ja, der Marius war sehr verliebt in seine Annette, und da habe ich mir ein bißchen Sorgen gemacht, weil Annette ja das Abitur machen sollte, und Ich hörte schon mal von Marius das Wort Heiraten und kriegte natürlich einen furchtbaren Schreck - in diesem Alter, nicht wahr? Er war zu jung. Marius war ja auch noch nichts. Wir kennen das ja aus unserer Jugend, man hat schon mal so verrückte Ideen. Ich bin nur sehr glücklich, daß er mit Annette auch heute noch befreundet ist, daß also die ganze Geschichte nicht im Bösen auseinander gegangen ist. Sicher, ich hab auch manche schwere Stunde mitgemacht, aber wir sind heute alle Freunde, und das ist gut so.